Von Veloständern bis Schwammstadt: Die Planung rund um klybeckplus

Von rechts nach links: Jürgen Friedrichs, Urs Imwinkelried, Kate Lemmen, Dominik Büchel (Protokollant).

Mit dem Städtebaulichen Leitbild wurde 2022 eine gemeinsame Grundlage für die Entwicklung des Quartiers erarbeitet. Es bildet die Basis für die planungsrechtlichen Fragen und beschreibt in welchem Verhältnis Wohnen und Arbeiten geplant ist und wo sich Grünflächen, Kindergärten oder Velowege befinden sollen. Im Rahmen des Richtprojekts wird das Städtebauliche Leitbild vertieft und geprüft. Dazu gehören beispielsweise die Nutzungsplanung sowie das Quartierentwicklungskonzept, das städtebauliche Themen mit wirtschaftlichen, ökologischen und soziokulturellen Aspekten ergänzt.

Es passiert viel – höchsten Zeit also, gemeinsam mit den Beteiligten einen Blick auf den laufenden Prozess zu werfen. Vier Personen waren am Gespräch beteiligt:

  • Jürgen Friedrichs ist Gesamtprojektleiter Klybeck bei Swiss Life Asset Management AG.
  • Urs Imwinkelried ist Immobilienentwickler bei Mettler Entwickler AG und leitet die Entwicklung im Auftrag von Rhystadt.
  • Kate Lemmen Mazzei ist Projektleiterin für die Arealentwicklung klybeckplus beim Bau- und Verkehrsdepartement des Kantons Basel-Stadt, Abteilung Städtebau.
  • Das Gespräch hat Dominik Büchel für klybeckplus protokolliert.

Woran arbeitet ihr im Moment?

Kate Lemmen:
Seit Herbst 2022 liegt das Städtebauliche Leitbild vor. Das ist die gemeinsame Grundlage, die wir für das Klybeck-Areal erarbeitet haben. Nun geht es darum, genauer und konkreter zu planen. Da geht es auch um viele Fragen, die auf den ersten Blick technisch erscheinen: Wie lässt sich die Energie-Infrastruktur aufbauen? Wo und wie wird begrünt? Wie soll der Strassenraum gestaltet werden? Wie breit sind Fahrspuren, Velowege, Tramtrassee? Wo stehen Bäume? Wo und wie werden Freiräume eingerichtet? Wo und wie setzen wir die Schwammstadt-Prinzipien um? Je konkreter es wird, desto mehr Fragen und Schnittstellen tauchen auf…

Jürgen Friedrichs:
… und desto spannender und vielfältiger wird unsere Aufgabe. Leichter wird sie zwar nicht unbedingt. Wir sind alle gefordert. Jeden Tag kommt etwas Neues auf den Tisch. Das liegt im Wesen jeder Transformation – ich schätze diese Vielfalt. Nachdem wir im Leitbild festgehalten haben, wo welche Gebäude für welche Nutzungen stehen werden, sind wir nun am Bearbeiten der Zwischenräume. Damit meine ich die öffentlichen oder halböffentlichen Räume, die sich zwischen den Gebäuden aufspannen. Was soll sich dort abspielen können? Welche Nutzungen sollen Vorrang haben? Wie werden diese Räume gestaltet? Was wird Allmend, was bleibt privater Grund und Boden? Das geht, ich übertreibe nicht, bis hin zur Platzierung der Veloständer.

Urs Imwinkelried:
Diese sorgfältige, aber auch aufwändige Planung dient dazu, dass ein Bebauungsplan erarbeitet werden kann. An den aktuellen Abklärungen, Studien und Diskussionen sind viele Fachleute aus Städtebau, Grün- und Freiraum, Tiefbau, Mobilität und anderen Fachbereichen beteiligt. Da kommt viel Wissen zusammen, das dann im Plan, den wir anstreben, vielleicht nicht mehr sofort für alle ersichtlich ist. Aber diese Grundlagenarbeit ist wichtig.

Wie lange wird diese Grundlagenarbeit noch dauern?

Kate Lemmen:
Gute Frage, aber schwierig zu beantworten. Wir arbeiten die Pendenzen ab und werden vermutlich im Verlaufe des Jahres mehr Klarheit gewinnen. Wir sind daran, aus dem Leitbild eine zuverlässige Plangrundlage für den Bebauungsplan zu machen. Das kann einige Zeit in Anspruch nehmen.

Weshalb dauert es so lange, was sind die Knackpunkte?

Jürgen Friedrichs:
Da sind die vielen Ansprüche, die an diesen Raum bestehen: Gesetzliche Vorgaben, Erwartungen der Bevölkerung, politische Rahmenbedingungen und Agenden, unsere eigenen Ziele sowie Projektionen und Wünsche von überallher. Da kommt viel zusammen. Wenn diese Ansprüche kollidieren, müssen wir einen Ausgleich finden.

Urs Imwinkelried:
Wir planen nicht im luftleeren Raum – oder auf der grünen Wiese: Wenn ich nach Norden schaue, sehe ich die Hafenentwicklung. Im Süden des Klybeck-Areals soll ein neuer Autobahntunnel gebaut werden, und im Osten wird die bauliche Entwicklung des Horburg-Quartiers diskutiert. Da kann es Zielkonflikte geben. Und die Abstimmung ist auch aufwändig in zeitlicher Hinsicht – das Tempo können wir nicht nur selbst festlegen. Es gibt viele Abhängigkeiten.

Was wird die Öffentlichkeit als nächstes zu sehen kriegen?

Kate Lemmen:
Der nächste offizielle Planstand wird die Planauflage zum Bebauungsplan sein.

Urs Imwinkelried:
Aber wichtig wird es sein, dass wir gut aufzeigen, was sich nun verändert hat. Und wir müssen darlegen, weshalb diese Veränderungen vorgenommen wurden: Weil es neue Erkenntnisse gab? Weil neue Technologien zur Verfügung stehen? Weil aus der Beteiligung Ansprüche einflossen? Weil sich die wirtschaftliche Situation verändert? Weil sich die politischen Rahmenbedingungen verändern?

Wie fliessen Interessen von aussen in eure Abwägungen ein?

Jürgen Friedrichs:
Dank den Workshops zum Quartierentwicklungskonzept klybeckplus erkennen wir Interessen und Vorstellung früh und können sie berücksichtigen. Die Treffen zur Mobilität oder zu den Erdgeschossnutzungen haben wichtige Feedbacks ergeben und neue Ideen aufgezeigt.

Urs Imwinkelried:
Wir müssen auch die Interessen der künftigen Mieter und Mieterinnen von Wohnungen und Gewerbeflächen berücksichtigen – denn sie werden ja über den wirtschaftlichen Erfolg der Vorhaben entscheiden. Da wir über lange Zeiträume reden, wollen wir jedoch flexibel bleiben. Wer weiss schon genauer, was in 20 Jahren sein wird?

Kate Lemmen:
Wir müssen uns schon heute auf zukünftige Diskussion vorbereiten: Wie wollen wir dann mit diesen Fragen umgehen? Wie finden wir auch in 10 oder 20 Jahren gute Lösungen? Die Basis dafür können wir schon heute legen.

Jürgen Friedrichs:
Dafür haben wir geradezu ideale Voraussetzungen: Den Kanton Basel-Stadt wird es wohl noch lange geben, und die beiden Grundeigentümer sind mit dem Klybeck-Areal ein langfristiges Engagement eingegangen und haben einen weiten Horizont. Unsere Planungspartnerschaft dürfte noch lange Bestand haben.

Urs Imwinkelried:
Wir müssen einen Rahmen errichten, der erstens Rechtssicherheit schafft. Zweitens muss er Vertrauen schaffen, dass er auch in einer sich verändernden Welt zu guten Lösungen führen wird.

Wie stellt ihr sicher, dass die Qualität gewährleistet wird?

Urs Imwinkelried:
Wir lassen uns weiterhin beraten und begleiten, unter anderem von der Begleitgruppe, die schon beim Städtebaulichen Leitbild tätig war. Strenge Regeln allein garantieren noch keine städtebauliche Qualität – es braucht auch eine Haltung. Wir sind bereit, in Qualität zu investieren. Dazu gehören später dann auch Architekturwettbewerbe.

Jürgen Friedrichs:
Qualität kann einfacher erreicht werden, wenn es Kontinuität gibt und die gleichen Leute über längere Zeiträume an den Planungen mitarbeiten. Ich bin optimistisch, da das Kernteam rund um das Klybeck-Areal nun seit Längerem sehr stabil ist.

Wie lange bleibt die Planungspartnerschaft zwischen Kanton, Swiss Life und Rhystadt bestehen?

Urs Imwinkelried:
Wir werden sicher noch die Grundlagenarbeiten für den Bebauungsplan in dieser Konstellation gemeinsam abschliessen. Danach werden die kantonalen Behörden übernehmen für die nächsten Etappen wie Bebauungsplan sowie Planauflage. Unsere Zusammenarbeit wird jedoch in anderen Formen weitergehen.

Im Rahmen dieser Entwicklung gab es mehrere Beteiligungsveranstaltungen.
Das Modell zeigt, wie das Klybeck-Areal dereinst aussehen könnte – und hilft, sich ein Bild von der Grösse des Projekts zu machen.

Zurück zu Aktuell